Ein analoges Tagebuch

Da lag es dann heute aufeinmal vor mir. Eine Kladde aus Leder mit einem Kompasskreuz eingepresst, mehreren Bändern aus Leder eins mit einem Schiffssteuerrad, das andere mit einem Anker bestückt. Eine Packung mit 150 Blättern mit Karomuster die in die 6er Heftkrallen passten und vier schwarzen Gelpens, zum Beschreiben ebendieser Seiten. Mein Tagebuch.

Ich hatte schonmal vor etwa 25 Jahren digital ein Tagebuch geführt. Dieses ist dann irgendwann bei einem PC-Umzug kaputtgegangen. Das Programm lief auf dem neueren System nicht mehr und der alte Rechner gab irgendwann seinen Geist auf. Übrig blieb verschlüsselter Datenmüll. Datenmüll, der mal meine Gedanken und Ideen umfasste.

Beim sehen einer italienischen Serie, die für Disney produziert wurde, stolperte ich dann wieder über das Thema Tagebuch. Irgendwie schien jeder dort eins zu führen. Und seltsamerweise waren es nicht die alten Leute, sondern die jüngeren Protagonisten, die dort ihre Gedanken, Träume, Wünsche, Ihr Erlebtes in einem Tagebuch verewigten.

Gründe für ein Tagebuch kann es viele geben. Letztlich kann ein Tagebuch dich kreativer machen und dabei Ideen und Gedanken anregen.

In einem Tagebuch kann man sein Leben ordnen, Pläne verfassen und Erfolge zum Beispiel in Sport oder bei der Ernährung protoklieren. Es kann Struktur in dein Leben bringen, manch einer weisst einem Tagebuch sogar heilende Kräfte zu.

Du kannst beim schreiben eines Tagebuchs deine Stärken und Schwächen entdecken. Du kannst ihm jedes Geheimnis anvertrauen und es nimmt es auf – ohne das es dich verletzt oder das es irgendwas weiterplaudert. Und es kann Deine Persönlichkeit aber auch dein Selbstbewusstsein stärken.

Gründe für ein Tagebuch finden sich viele.

Ich habe heute meinen ersten Eintrag gemacht und muss mir eingestehen. Ich fand es erholsam, einfach auf einer Seite meine Gedanken in Worte zu fassen. Es war wie ein runterkommen aus dem hecktischen Alltag. Ein Moment, in dieser Zeit wo alle etwas von einem wollen und ich deutlich merke, das ich an meine Grenzen komme, den ich für mich alleine habe. Es ist aber auch ein wenig sich selbst wieder neu kennenlernen. Gedanken und Ideen, die man sonst nicht zugelassen hat, finden ihren Raum.

Manch einer der mich kennt, wird sich nun fragen: Warum ein analoges Tagebuch – so richtig aus Papier und mit Schreiben und das gerade bei meiner Sauklaue?

Ja, stimmt. Ich habe eine schreckliche Handschrift. Danke hier, an Frau Schmied. In ihrem Unterricht hatten wir mitzuschreiben, was Sie an der Tafel temporär hinterließ. Wenn man zu den langsameren Schreibern gehörte, musste man aufpassen, das nicht von oben der Schwamm oder der Lappen wieder alles auslöschte, bevor man die Inhalte in seine Hefte übertragen hatte. Man hatte nur eine Chance. Schneller schreiben. Schneller Schreiben bedeutete unsauberer schreiben. Und je unsauberer das Geschreibsel wurde umso näher kam man seiner individuellen Sauklaue.

Nicht, das ich es nicht auch schon mal mit Kalligraphie versucht hatte. Doch habe ich, es hat mir sogar Spaßgemacht mit einem speziellen Tintenschreiber mal sauber, mal mit Geschnörkel Texte auf die Bögen zu bringen. Zu einer ingesamt besseren Handschrift verhalf es mir leider nicht.

Warum tue ich es mir trotzdem an, mein Tagebuch mit der Hand zu schreiben?

Mit meinem Jobwechsel 2018 vom kaufmännischen Angestellten zum Supporter einer Software hatte sich gewissermaßen ein Traum erfüllt. Ich hatte einen Job der reichlich mit Computer zu tun hatte. Da zu kommt noch das Erstellen von Formularen, was mal besseren Arbeiten mit Word, mal aber auch was die Erstellung von Formeln und Bedingungen betrifft schon in Richtung von Programmierung geht ein abwechslungreiches Tagesprogramm. Alles in alleim mit einem Top-Chef, 1a-Kollegen und viel Spaß ein Traum.

Aber neben meinen Hobbies bin ich hier weit über 40 Stunden in der Woche am PC beschäftigt. Dazu kommen noch Handys die einem Sagen, wann und wer einem Nachrichten geschickt hat. Soziale Netzwerke, wo jeder meint seine Aufmerksamkeit bekommen zu müssen. Es ist quasi so, als ob man morgens nicht mehr aufsteht, sondern online geht und nachts geht man nicht mehr schlafen, sondern offline.

Das Schreiben, des Tagebuchs ist wie eine Oase zwischen dem permanenten Online sein. Eine Erholungspause. Zudem hat das Schreiben mit Hand etwas entgültigeres. Schreibe ich einen Text am PC ist dieser schnell abgeändert. Schreibe ich mit Hand, sind Änderungen nur schwer möglich oder sehen einfach nur Hässlich aus. Also muss ich mehr Gedanken machen und mich mehr mit dem Thema befassen.

Und – ich glaube es tut mir auch gut – das ich mich zwingen muss, leserlich zu schreiben. Den bei meinem übelsten Gekritzel bekomm ich selbst Probleme wenn ich aus dem Thema raus bin, dieses zu entziffern.

Ich glaube, das mir das Tagebuch schreiben gut tun wird und gebe schon jetzt den Tipp es doch selbst mal auszuprobieren. Das Schlimmste was Dir passieren kann ist, das es dir ebenso geht oder Du neue Seiten an dir kennenlernen wirst. Und wäre das so Schlimm?

Bild: notizen-schreiben-füllfederhalter-3819574 von Sponchia auf pixabay.com nach Pixabay-Lizenz.

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