Der blöde pflegende Verwandte – Teil 2 – Die Kranken- und Pflegekassen

Krankenkassen, Pflegekasse, eigentlich sind diese dazu da die Versorgung mit notwendigen sicher zu stellen. Für die viele Menschen passt hier eher der Begriff “Freund” für diese Sozial-Institutionen. Wenn man als pflegender Angehöriger an diese denkt, kommt einem eher die Szene mit den Haifischen aus einem Animationsfilm in den Sinn, wo diese versuchen sich einzureden “Fische sind Freunde, kein Futter…”, nur das die Kassen hier die Haie sind.

Der Kostendruck macht auch vor den Kassen nicht halt, so das diese dazu tendieren auch schon mal Leistungen die eigentlich notwendig sind abzulehnen oder zu gering einzustufen. Bedient wird sich hier allzugerne dem Dritten um Bunde, dem sogenannten Medizinischen Dienst, der in Auftrag der Kassen Bewertungen vornimmt.

Das Grundproblem fängt schon mal damit an, das man als pflegender Angehöriger schnell den Eindruck bekommt, auf eine Ebene mit einem Schmarotzer gestellt zu werden, der nur das System melken will. Dabei geht es dem Angehörigen in aller Regel nur darum ihren Pfleglingen all dies zur Verfügung zu stellen, was für eine menschenwürdige und sachgerechte Pflege notwendig ist.

Das größte Hindernis stellt hier schon die Pflegeeinstufung dar.

Ich stell den Ablauf nur mal anhand dem selbst erlebten dar.

Eine Reha-Klinik stellte in Namen meiner Mutter den Pflegeantrag. Zwei Personen vom MDK kamen in die Klinik. Unangemeldet. Ohne Termin. Einfach ins Zimmer meiner Mutter. Es wurden nur paar Fragen gestellt: “Wie geht es Ihnen?” Was meine Mutter zugedröhnt von Medikamenten mit “gut beantwortete.” Ergebnis war ein Gutachten, mit dem Ergebnis: “Es ist kein Pflegebedarf vorhanden.” Das bei einer Person die, weder sich selbstständig aufstellen, gehen oder sonst etwas konnte.

Es wurde ein erneuter Antrag gestellt. Papiere diverser Ärzte und Krankenhäuser wurden zur Verfügung gestellt. Die MdK-Mitarbeiterin gehörte zum Menschentyp “Cusak – der Schweigsame”, wie mehr als ein “Guten Morgen” und “Auf Wiedersehn” bekamen, wir da nicht zu hören. So unhöflich, wie wir die MdK-lerin empfanden, so ernüchternd war auch das Gutachten. Geringe Pflegehilfe benötigt. Nicht mal Stufe 1. Das bei einer Querschnittslähmung, mit der Tatsache, dass sich meine Mutter nicht mal selbstständig Waschen, Anziehen oder aufs Klo gehen konnte.

Widerspruch. Wieder kam eine Dame. Diesmal etwas höflicher. Diese stellte Fragen. Einige konnten wir nicht beantworten, andere dafür umso detaillierter. Pflegeprotokol, noch weitere Bewertungen von Ärzten. Immerhin wurde nun der Pflegebedarf anerkannt.

Dennoch hielten wir den Widerspruch aufrecht. Als Drittes kam ein Herr vom MdK, etwas betagter. Die offene Frage war: “Was passt denn nicht…?” Wir erklärten Punkt für Punkt, was an den bisherigen Bewertungen nicht in Ordnung war. Das Ende machte Hoffnung. “Ich sehe mir das ganze an und prüfe was ich machen kann…”

Nicht in allen Punkten ging der Herr mit, aber immerhin doch in Genug, das es nun für Pflegestufe 2, nach dem alten System reichen sollte. Mittlerweile waren schon 7 Monate vergangen. Wir konnten dankbar sein, dass der Pflegedienst in Vorleistung gegangen war, sonst wäre meine Mutter längst in die Pleite gegangen.

Die Krankenkasse sah es anders. Nunmehr beschwerte ich mich beim Vorstand der Krankenkasse. Dieser meinte das man nur aufgrund der vorliegenden Bedingungen handeln würde, den Fall aber nochmal der Härtefallkommission geben würde. Mittlerweile näherten wir uns dem Jahrestag des erneuten Pflegeantrags.

Natürlich lehnte auch die Härtefallkommission den Antrag ab, in dessen Folge ich für meine Mutter zum VdK-Bezirkszentrum nach Kassel fuhr. Eintritt in den VdK, rückwirktende Beitragszahlung und den Fall vorgelegt. Dieser erhob dann im Namen meiner Mutter Klage.

Schon beim ersten Termin empfahl der Richter der Pflegekasse sich mit meiner Mutter gütlich zu einigen. Was dann nach dem dritten Termin auch geschah. Die Kasse zog zurück, gewährte die notwendige Pflegestufe zwei, die es ermöglichte das meine Mutter morgens und Abends fertig gemacht wird und während ich an der Arbeit bin, mittags nochmal ins Bett gelegt wird. Dazu wurden sämtliche Kosten seit der Antragsstellung übernommen.

Ein großer Erfolg. Dazwischen Hoffen und Bangen, sowie die Angst, wenn alles scheitert, das nur die Insolvenz meiner Mutter, sowie der Gang zum Sozialamt bleibt. Sowas frisst schon an der Psyche.

Was aber am meisten störte, war dieser Tonfall, von seiten der Kasse, der immer so etwas von oben herab rüberkam. Es war immer so ein sanfter “Was willst du überhaupt?”-Unterton vorhanden.

Dass das ganze System hatte lernte ich dann als ein Treppensteiger beantragt wurde. Ein Treppensteiger soll helfen das man alleine den Pflegebedürftigen eine Treppe rauf und runter bekommt. Laut Werbung soll das so einfach gehen, das man als Helfer fast nichts machen muss. In Realität muss man aber zugeben, ja das Gerät ist eine Erleichterung und ohne bekäme man jemand anderes ohne Hilfe Dritter nicht allein rauf und runter, aber das man nichts machen muss, so einfach ist dem nicht.

Die Kasse meinte “Nö” braucht meine Mutter nicht. Es muss ja auch niemand vor die Tür. Nun gibt es aber Regelungen zur Teilhabe am öffentlichen Leben, die den Anspruch doch begründen. Und was ich an der Sache Paradox fand, war das der Hersteller des Geräts gleich mit dem Antrag die passenden Texte für einen Widerspruch einer Ablehnung mitlieferte und das sollte kein Einzelfall sein. Auch andere Hilfsmittelanbieter boten gleich hilfen im Widerspruchsfall an und der Außendienst nahm gleich die Situation vor Ort auf um die Begründung optimal anzupassen.

Das einzige größere was ohne Widerspruch durchging, war das Pflegebett. Umsetzhilfe, ein neuer Rollstuhl, bei allem anderen kam zunächst erstmal eine Ablehnung. Was so leise einen Verdacht aufkommen lässt, das man zunächst grundsätzlich erstmal ablehnt, in der Hoffnung, dass nicht alle auf die Idee kommen einen Widerspruch zu formulieren.

Dieses System frist Zeit. Zeit die auch auf die Nerven und Gesundheit der pflegenden Verwandten geht. Allein die Pflegeeinstufung meiner Mutter inkl. aller Schriftverkehre füllte drei Aktenordner.

Das Schlimmste dabei ist, aber, das man bei den Kassen null Bestrebungen erkennen kann Kundenorientiert zu arbeiten.

Ein anderes Beispiel: Die Krankenkasse mahnte bei meiner Mutter Zuzahlungen an. Das eine reguläre Anforderung kam, war mir nicht ersichtlich, aber allein das man als Begründungen einen Wisch mit einer Tabelle beilegte, wo nur drauf stand dass es um 7 Positionen mit dem Betrag X geht, empfand ich schon als Frech. Keine Chance zu prüfen, ob die Forderungen überhaupt gerechtfertigt sind oder nicht.

Ich forderte daraufhin, an das man die Forderungen belegen sollte. Worauf nach 3 Monaten Bearbeitungszeit der Sachbearbeiter bestätigte, das es sich um Zuzahlungen handele – ahja, das sagte die Mahnung schon aus. Und wieder diese seltsame Tabelle als Begründung beilag. Ich teilte mit, das mir diese Tabelle nicht zur Prüfung ausreichen würde. Und reichte parallel die Zuzahlungsabrechnung für 2019 ein. Eine weitere Antwort kam nicht, dafür eine Abrechnung der Zuzahlung, wo man bat weitere Belege einzureichen.

Nochmals 6 Monate später drohte man meiner Mutter mit dem Gerichtsvollzieher. Ich veranlasste eine Zahlung und rechnete eigentlich damit – das es dann zu einer zügigen Verrechnung kommen würde – da meine Mutter die Zuzahlungen für 2019 voll hat und so ziemlich die komplette geleistete Zahlung zurück zu erstatten sei.

Mittlerweile sind weitere 3 Monate vergangen und mir blieb nichts als die Kasse anzumahnen, endlich die Zuzahlungen abzurechnen. Die Kasse wirbt derweil schön mit 1er Werten in Sachen Kundendienst. Werte die mir, wenn ich die Ablehnerititis, die Massen an Schriftverkehr, das Arbeiten am Kunden vorbei so sehe, als ziemlich absurd bezeichnen muss.

Nein, Pflegekassen, Krankenkassen sind nicht die besten Freunde pflegender Angehörige, es sind Stellen, die diese nur auch noch krank machen. Leider!

In der nächsten Folge geht es um Ärzte und Apotheken. Natürlich mischen auch hier irgendwelche Vereinbarungen der Krankenkassen auch kräftig mit.

Bild: rollstuhl-fahrzeug-pflaster-fliese-3105017 von MabelAmber auf Pixabay.com unter Pixabay-Lizenz

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